WHS - Windows Home Server

Seit 24. Nov 2009 gibt es nun auch das Powerpack für den Windows Home Server. Wichtigsten Neuerung ist die offizielle Unterstützung von Windows 7. Wobei auch ein WHS mit Power Pack 2 da durchaus eine gute Figur gemacht hat. 32MB Download und ein Reboot auf dem Server und kurz drauf bekommt man auf dem Client auch die Aufforderung zum Update
Powerpack3

Lange habe ich immer nur mit "echten Servern" gearbeitet. Ein Server ohne Domäne oder Active Directory habe ich nicht wirklich ernst genommen. Aber irgendwann wurde aus dem einen PC im Haushalt ein zweiter und dritter und irgendwann war das Hantieren mit USB-Festplatten und Programmen wie NTBACKUP, Windows 7 Complete Backup, Drivesnapshot, Acronis Trueimage oder Syncback zum "Sichern" und abgleichen der Daten nicht mehr praktikabel. "Vollwertige Server" sind aber laut, groß, teurer und für den Hausgebrauch eigentlich überdimensioniert.

Da kommen die Home Server mit ihrer speziellen Hardware gerade richtig. Ein Windows Home Server ist im Inneren ein Windows 2003 Server, welcher aber keine Domäne bereit stellt. Die Clients können auf den Server ganz normal als SMB-Server zugreifen. Der Home Server fällt damit in die Kategorie der NAS-Server. Interessant wird der Homeserver aber durch Zusatzfunktionen, die ein reines NAS-System nicht bieten kann. Für mich sind dabei drei Faktoren interessant:

Da ich weder XBox, iTunes-Client noch einen Mediacenter-PC im Wohnzimmer habe, nutze ich die Funktionen des Windows Home Server als "Mediaserver" zu dienen nicht. Für Familien und Privatpersonen kann die Funktion natürlich interessant sein. Da dem Windows Home Server per Default die Grafikkarte und TV-Empfänger fehlen und Windows 2003 Server auch kein "Media Center" selbst kennt, kann der Server eigenständig also auch keine TV- oder Radio-Sendungen aufzeichnen. Aber das soll er bei mir auch nicht. Ich brauche einfach einen zentralen Ablageort für Dateien und ein Backup für bis zu 10 Clients.

Eine Bereitstellung von Volumes per iSCSI o.ä. ist nicht vorgesehen. Wobei technisch es sicher kein Problem sein dürfte, in den freien PCIe-Slot eine Grafikkarte zu stecken und auf der gleichen "günstigen" Hardware einen Windows Storage Server zu installieren. Es ist einfach ein Netbook mit 4 SATA-Hot-Plug-Einbauplätzen.

Backup

Das wichtigste Feature für den WHS im Firmeneinsatz ist die Datensicherung, die der Anwender nach der Installation des Windows Home Server Connectors über das Taskicon selbst starten kann. per Default weckt der Connector aber den Desktop auch zwischen 00:00 und 06:00 auf, damit die Sicherung auch Nachts automatisch laufen kann. Wer also nichts einstellt, sichert seine Desktops jede Nacht.

Da ich in meinen Desktops natürlich auch ein paar Bereiche habe, die nicht gesichert werden müssen (z.B. virtuelle Maschinen) kann ich über die Einstellungen auf dem Home Server auch bestimmen, was nicht gesichert wird. Da die Sicherung aber immer logische Datenträger (LUNs) sichert, kann man keine einzelnen Dateien oder Pfade ausschließen, sondern nur LUNs.

Vielleicht unschön, aber man kann ja seine Festplatten entsprechend Partitionieren. Durch die Single Instance Logik ist der Platzbedarf aber auch bei den Differenzsicherungen minimal. Zuerst prüft der Client, welche Dateien verändert wurden um dann für diese Dateien die geänderten Cluster (Diskblöcke) zu erhalten und letztlich zu sichern.

Danach werden die geänderten Cluster auf den Home Server kopiert, indem der Client über alle geänderten Dateien geht und für jeden Block eine Prüfsumme ermittelt, dem WHS vorlegt und "neue" Blöcke dann übertragen werden. Das braucht wenig Netzwerklast aber lokal ist die Festplatte natürlich am arbeiten.

Beim Restore kann ich mir die Sicherungen einfach als "Festplatte" auf meinem Client einbinden und die Strukturen nach meinen Dateien durchstöbern und wieder herstellen. Wobei ich durch den Server immer weniger Dateien "lokal" liegen lasse. Auch ein kompletter Restore als Image ist möglich, wenn ich nach einem Verlust des Clients einfach ein Ersatzgerät mit der Home Server Recovery CD boote und das letzte Image so einfach wieder zurück hole.

Interessant ist das Verhalten, wenn ich manuell auf dem WHS eingestellt habe, dass nur die C:-Partition gesichert wird (und die VMs auf D: nicht) und ich eine neue USB-Festplatte anstecke.

Auch ein Anstehendes Backup wird angekündigt und kann durch den Anwender immer wieder um eine Stunde verschoben werden.

Sicherung wird angekündigt

Wenn die Sicherung dann aber angelaufen ist, dann gibt es kein halten mehr. Zuerst wird eine Schattenkopie angelegt, die dann als Quelle für den Vergleich mit den Daten auf dem Server herangezogen wird. Alle Änderungen werden dann auf  den Windows Home Server kopiert. Das kostet zwar nicht viel Bandbreite aber die Suche auf der lokalen Disk kann das Arbeiten für einigen Minuten schon einschränken.

Allerdings ist dies nichts im Vergleich zur Belastung bei einem "Komplettbackup" mit einem Windows Backup auf eine USB-Disk o.ä.

Freigaben und "Duplizierung"

Wie sie auf einem Windows Server eine Freigabe einrichten, brauche ich sicher nicht zu erklären. Beim Home Server geht das noch viel einfacher über die Home Server Konsole, so dass ich mir auch hier ein Bild spare. Der Windows Home Server nutzt ja kein RAID oder Bandlaufwerk, um sich zu sichern, sondern dupliziert Dateien nach einem eigenen Schema auf die anderen Festplatten. Durch das Kopieren wird ebenfalls sichergestellt, dass Dateien auf zwei Festplatten liegen, so dass beim Ausfall einer Festplatte keine Daten verloren gehen.

Man kann pro Freigabe einrichten, ob die Duplizierung hierfür aktiviert werden soll. Wenn allerdings die Festplatte ausfällt, auf der auch der Home Server selbst installiert ist, dann muss dieser von der CD wieder frisch installiert werden. Die Daten sollen aber erhalten bleiben. Das habe ich aber noch nicht ausprobiert.

Der Acer hat einen Gigabit Link und auch wenn er den nicht voll ausreizen kann, so sind über 50 MByte/Sek eine ganz stattliche Rate für den Zugriff auf einen so "kleinen" Server über SMB

Da es ja ein "Windows 2003 Server" ist, könnte ich sicher auch mal einen HTTP/FTP-Server bereit stellen oder RSYNC u.ä. Vielleicht quetscht man dann noch etwas mehr Leistung heraus. Die Performance ist über die kompletten 35 Minuten (113 GB) konstant geblieben. Es ist also kein durch Cache verfälschter Wert. Vielleicht konnte auch meine Festplatte im Notebook die Daten nicht schneller liefern.

Virenscan

Bei vielen Windows Home Servern sind Virenscanner dabei, z.B. die "McAfee Total Protection Suite". Zu beachten ist, dass ein Windows Home Server ein "Windows Server" ist und damit viele kostenfreie Antivirentools ausscheiden, da sich diese nicht auf einem Server System installieren lassen. Verschiedene Hersteller haben daher besondere "Home Server"-Versionen im Angebot, die preislich günstiger sind und sich in die Home Server Console einbinden. oder auch wieder nicht mehr.

"F-Secure gibt bekannt, dass F-Secure Home Server Security 2009 seit dem 15. März 2010 nicht mehr käuflich zu erwerben ist. Das Produkt ist weder für einen Neukauf noch für eine Lizenzverlängerung erhältlich. F-Secure wird auch zukünftig keine Lösungen mehr für das Windows Home Server Betriebssystem anbieten."
Quelle: http://campaigns.f-secure.com/hss_eol/DE/

Wenn Sie den Home Server wirklich nur als Dateiserver, Backupserver, Mediaserver nutzen, dann könnte man auf den Gedanken kommen auf einen Virenscanner verzichten. Der Server selbst startet ja keine Programme, die Clients auf die Festplatte kopiert haben. Aber da man den Home Server auch als Arbeitsplatz von "unterwegs" verwenden kann oder Zusatzprodukte auf dem Home Server Informationen aus dem Internet z.B. automatisch herunterladen können, sollten Sie darauf vielleicht doch nicht verzichten.

Remote Zugriff

Wer seinen Home Server per HTTP aus dem Internet erreichbar macht, kann mit einem Webbrowser von überall auf den Homeserver zugreifen. Sie können damit sowohl auf die Dateien zugreifen als auch über den Home Server andere Desktops im Netzwerk per RDP fernsteuern. Der Windows Home Server ist also etwas wie ein RDP/HTTP-Gateway. Vor der Nutzung steht natürlich die Anmeldung. Standardmäßig kann weder der Administrator noch ein Anwender diesen Zugang nutzen.

Man muss also erst auf den Eigenschaften des Benutzers den Remotezugriff konfigurieren.

Die Webseite des Homeservers zeigt dann z.B. den Zugriff auf Dateien.

Sogar ein Upload von Dateien ist möglich. zur Fernsteuerung wählen Sie einen der Computer aus, die mit dem Home Server Connector verbunden und angeschaltet sind.

All das ist per SSL über HTTS verschlüsselt, wobei der Home Server vermutlich bei der Einrichtung des Remote Zugriffs ein offizielles Zertifikat von GoDaddy (5 Jahre !!) erhalten hat.

Hätte ich das vorher gewusst, dann hätte ich mir mal die Mühe gemacht, die Kommunikation genauer zu analysieren. Interessant wäre nun, was bei einer "Namensänderung" passiert. Bekomme ich dann problemlos ein neue Zertifikat und wird das alte Zertifikat als Ungültig erklärt?. Da könnte man schon auf schmutzige Gedanken kommen und so ein Zertifikat auch einfach anderweitig verwenden.

Da mein Home Server natürlich hinter einer Fritzbox installiert und uPNP deaktiviert ist, musste ich dort den entsprechenden Port auch noch auf den Homeserver veröffentlichen.

Acer Support

Etwas irritierend ist, dass der H340 bei Acer auf der Webseite unter "Desktops" geführt wird, die Treiberliste kein "Windows Home Server" oder "Windows 2003 Server" enthält und es sogar einen VGA-Treiber gibt, obwohl das Gerät diese weder nutzt noch diese anschließbar ist.

Der H340 ist nämlich gar nicht Headless. Er hat schon eine Grafikkarte on board aber die ist einfach nicht heraus geführt. Allerdings gibt es diverse Bastler, die die Beschaltung der internen Pfostenleiste, ermittelt und entsprechende Adapterkabel gebaut haben. Andere ersparen sich das Löten und stecken einfach eine PCIe-Grafikkarte in den freien Slot und zusätzlich einen Jumper auf dem Motherboard, damit USB-Tastaturen unterstützt werden.

Acer Hardware

Eine "Standardhardware" mit vier Festplatten verführt natürlich zum basteln. Im Internet finden Sie dazu schon einige Hinweise, dass es sich beim Acer H340 um ein PC Motherboard mit ATOM 230 handelt, auf dem natürlich auch einige Pfostenstecker zu finden sind. Wenn Sie im Windows 2003 Gerätemanager nachschauen, dann finden Sie auch eine Grafikkarte und PS2-Anschlüsse, die aber nicht heraus geführt sind. Auf dem Motherboard gibt es auch entsprechende Pfostenstecker, deren Beschaltung. Auf http://www.mediasmartserver.net/forums/viewtopic.php?f=2&t=622&sid=f2c249ed8fc9c38b9e02ba5a467c9134 finden sich schon entsprechende Diskussionen.

Damit USB und PS2-Tastaturen genutzt werden können, muss angeblich ein Jumper gesetzt werden. Für PS2 könnte ich mir das vorstellen, dass damit der "CLOCK" geschaltet wird aber für USB würde ich den Tipp anzweifeln. Zudem würde der Recoverymode nicht funktionieren. Ich vermute dass das BIOS dann einfach die fehlende Tastatur anmeckert. Dennoch hier das Bild und die Quelle:


Quelle: http://forum.home-server-blog.de/viewtopic.php?f=10&t=5916

Es gibt auch Berichte, dass jemand eine Matrox G550 im Slot zum Laufen bekommen hat, wenn man danach im Abgesicherten Modus die interne Grafikkarte im Gerätemanager deaktiviert.

Ich halte mich mit Basteleien in der Art zurück, da mir die Stabilität erst mal wichtiger ist und ich auf meinem Home Server mit 2 GB Ram und Atom 230 nicht grade Office oder Exchange installieren möchte.

Pfiffiges Detail: Über die Home Server Konsole kann man die Helligkeit der LEDs dimmen:

LED Helligkeit beim Acer H340 einstellen

WHS Intern

Natürlich kann man auch per RDP direkt auf den Windows Home Server zugreifen. Ein Blick in die Festplattenkonfiguration zeigt einfach die drei 1TB Disks mit einer 20 GB Betriebssystempartition und einer D-Partition. Alle weiteren Festplatten sind als Mountpoints eingehängt.

Datenträgermanagement

Wenn Sie im Windows Explorer die Baumstruktur anzeigen lassen, dann erkennen Sie die Mountpounts, den Ort, an dem die Freigaben liegen und auch die "Kopien", die WHS im Hintergrund zur Absicherung anlegt.

Suspekt erscheint mir aber erst einmal, dass die zweite und dritte Festplatte unter "C:" als Mountpoint eingehängt sind, aber auf D: eine Kapazität von 2,18 TB angezeigt wird. Schaue ich mir dann aber die Eigenschaften von D: an, dann ist die Ausgabe der freien Bytes defekt:

Eigenschaften von D: Hardware zu D:

Einen kurzen Moment zögere ich, dem System meine Daten anzuvertrauen.

Firefly und Bonjour

Acer installiert auf dem Windows Media Server aber neben Bonjour auch noch den Medienserver Firefly

Das ist so erst mal nicht schlimm. Allerdings die das Medienverzeichnis nicht sinnvoll konfiguriert. Auf des Systemfestplatte gibt es keine Medien. Der Default sollte hier z.B. auf "D:\shares\Musik" verlagert werden.

Ich habe mir aber erlaubt, den Dienst bei mir zu stoppen. Ebenso habe ich für Bonjour keine Verwendung und habe auch den Dienst gestoppt.

Zusammenfassung

Auch wenn der Windows Home Server zuerst als Zielgruppe die Familie mit mehreren PCs hat, die sich auch um die Sicherung ihrer Daten Gedanken macht, so ist dieser Server auch für Freiberufler, Bürogemeinschaften und sogar.

Sicher, er kann offiziell nicht als Domaincontroller agieren und ist auch von der Hardware her eher nicht als Small Business Server einzusetzen. Aber als Dateiserver macht er allemal einen guten Eindruck, der zudem mit sehr wenige Strom auskommt. Als zentrales einfaches Backup von mobilen Clients (z.B. Notebooks von Geschäftsführern) ist er allemal geeignet.

Und als Windows 2003 Server können auf dem Server auch andere kleinere Programme laufen, zumindest solange der WHS nicht selbst im Schlafmodus verharrt, weil Tools wie LightsOut auch in den Standby-Modus senden, wenn es keine Clients mehr gibt.

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