Ferrari OfficeMaster Gateway für Unified Messaging

Ferrari electronic Berlin/Teltow ist sicher schon ein alter Bekannter im Bereich Messaging, Fax und Exchange. Wer kennt nicht schon die guten "ferrariFAX-Boards" früherer Zeiten. Ferrari entwickelt auch weiter Hardware und die OfficeMaster Box ist schon länger das Arbeitspferd des Ferrari OfficeMaster Servers. Die Elektronik schaffte eine Verbindung zwischen Ethernet (TCP/IP) und ISDN und es gibt sie sowohl als externe Box als auch als Steckkarte. Im Fall einer Steckkarte sieht der PC eine Netzwerkkarte (RTL-Chipsatz), die quasi mit einem Kreuzkabel mit der Box auf der gleichen Steckkarte verbunden ist. Der Faxserver auf dem Server spricht also in beiden Fällen per TCP/IP mit dem Gateway. Ich habe hier das externe Gateway getestet, weil es damit in der Nähe der TK-Anlage verbaut werden kann und kein PC am ISDN-Anschluss aufgebaut werden muss. Zudem kann so die PC-Software sogar virtualisiert werden kann.

Auspacken und Anschluss

Auspacken und anschließen ist in Sekunden erledigt. Die drei Anschlussdosen für ISDN, LAN, STROM sind klar beschriftet und eigentlich nicht zu verwechseln. Die Box bezieht automatisch per DHCP ihre IP-Adresse. Da auf der Box selbst auch die MAC-Adresse hinterlegt ist, kann ein Administrator schon über eine Reservierung im DHCP-Server eine Adresse vorgehen. Ansonsten ist es einfach möglich, im DHCP-Server die Adresse auszulesen.

Mit dem Wissen um die IP-Adresse könnten Sie dann sogar direkt per TELNET auf die Box gehen (Es offenbart sich ein LINUX) oder per Browser den Status anzeigen lassen.

OfficeMaster Console

Es gibt übrigens auch noch den Befehl "reboot", der hier nicht aufgelistet ist. Ich hab ihn per Zufall "gefunden" als ich per VPN etwas gespielt habe und niemand vor Ort den Strom kurz ziehen konnte. Aber es ist nun wahrlich nicht so, dass die Box immer mal wieder einen Neustart bräuchte. Genau genommen hätte ich nie einen gebraucht.

Die ganze Arbeit können Sie sich aber auch sparen, da die Konfiguration von einem Desktop über eine entsprechende Software funktioniert, die selbst nach der Box im Netzwerk sucht.

Setup des Konfiguprogramme

Konfiguration

Zur Funktion muss man wissen, dass die Box selbst per TCP/IP mit dem Office Master Server kommuniziert. Dieses Gateway verbindet die Box mit dem Mailsystem, so dass Sie Fax, SMS etc. senden und empfangen, können. Dieser Office Master-Dienst nimmt die Faxe von der Box an und leitet sie an ein Postfach weiter bzw. empfängt ausgehende Faxe per SMTP oder einen Connector und leitet diese an die Box weiter. Für den Betrieb mit Exchange 2007 Unified Messaging oder Office Communications Server 2007 ist diese Zwischenkomponente allerdings NICHT erforderlich. Insofern ist die Beschreibung hier nicht für die Funktion als Faxserver zutreffend.

Ich habe das Programm "Office Master Gate Konfiguration" installiert, welches dann die Box sogar selbst findet. Zur Verbindung muss ich ein Kennwort gegeben.

 

Die Übersicht zeigt dann alle entsprechenden Systemparameter schon einmal an. Mir ist es übrigens nicht gelungen, die Box per VPN aus der Ferne über die GUI zu konfigurieren, obwohl ich per TELNET problemlos zugreifen konnte. Also Konfigurationsprogramm und Box müssen im gleichen Subnetz sein.

 

Die Konfiguration ist eigentlich ganz einfach. Die Box unterstützt als Betriebsart "Messaging Server" oder eben zusätzlich die Funktion VoIP-Gateway.

Hinweis:
Diese Auswahl ist kein "entweder/oder". Die Funktion "Gateway" schaltet die VoIP-Funktion einfach zusätzlich frei. Insofern können Sie dann die Box sowohl zum Faxversand und Empfang als auch als VoIP-Gateway für Exchange 2007 und OCS nutzen.

Für Exchange 2007 UM ist die Funktion Gateway relevant. In der Konfiguration selbst wird dann die eingehende Rufverarbeitung konfiguriert. Hier stellen wir entsprechend ein, welche Rufnummer an welches VoIP-Ziel übertragen wird. Hier sehen Sie dann meine Beispieleinrichtung, dass ein Ruf auf die "Durchwahl" 673 auf das SIP-Endgerät 192.168.100.11 signalisiert wird.

OfficeMaster Konfiguration

Wer mag, kann über eine erweiterte Konfiguration noch detaillierter auf Rufnummern reagieren. Dies ist aber z.B. nur erforderlich, wenn auf dem gleichen ISDN-S0-Bus im Punkt zu Mehrpunkt-Betrieb weitere Endgeräte hängen bzw. wenn verschiedene Plattformen (OfficeMaster Server, Exchange UM und/oder OCS) gleichzeitig unterstützt werden sollen.

 

Dieser eine Eintrag reicht für Exchange 2007 schon aus. Es ist also nicht erforderlich einen ganzen "Rufnummernblock" an Exchange 2007 zu geben sondern eine einzige Nummer reicht aus. Ruft ein Anwender direkt dort an, dann fordert Exchange 2007 die Durchwahl per Sprache und DTMF an. Um ihren normalen Anschluss direkt auf die Exchange 2007 Mailbox zu leiten, leiten Sie einfach ihren Anschluss um. Im SIP-Protokoll wird dann zusätzlich zur "Called Party Number" (Exchange 2007 Pilot ID) auch die "Redirected Number" übermittelt, welche Exchange 2007 auswerten kann.

Besonders interessant finde ich die Überwachung und Diagnose. Über das Menü zum Debugging kann man einen SYSLOG-Server angeben und dann für verschiedene Komponenten ein Diagnoselevel einstellen.

Eine UNIX-Box hat ja kein Eventlog wie man es von Windows kennt. Aber SYSLOG sollte auch einem Windows Admin nicht ganz unbekannt sein. Entsprechende Tools gibt es in Form des KIWI Syslog Daemon (MSXFAQ.DE - Syslog Überwachung) Aber selbst im Programmverzeichnis findet sich ein SYSLOG.EXE. welcher mit "syslog -start" einfach gestartet werden kann und alle Meldungen anzeigt.

Die Box protokolliert besonders im ISDN-Trace alle ISDN-Meldungen. Achten Sie daher darauf, dass die Meldungen nur zur Fehlersuche aktiv sind. Allerdings kann man die Box damit auch als "Sniffer" einsetzen, da sie zumindest auf einem Mehrgeräteanschluss (PMP) alle ISDN-Meldungen mitschneidet.

ISDN Testen

Zwar ist die Box eigentlich "Plug and Play" ausgelegt aber wenn die Box schon die Option bietet, ein Testfax zu versenden, dann sollte man das auch tun. Die Bedienung ist im Handbuch beschrieben. Hier ein kurzer Auszug meiner "Telnet Aktion". Man verbindet sich per Telnet z.B.: mit dem Anschluss 3217 (erster S0-Kanal) der Box und "wartet" ein wenig. Die Box muss ich mit einem ":alive" melden, was sich . Erst dann sollte man weiter machen. Hier mal ein Beispiel, wenn ich von der Box ein Fax an ein Faxgerät am gleichen ISDN-Mehrgeräteanschluss sende. Man sieht dann sowohl die ausgehenden Meldungen als auch die eingehenden Meldungen an das Fax auf dem gleichen Bus. Daher kann es etwas verwirrend sein.

:alive
:dstart
:alive
:c -n 05246700973
:alive
:s
:dchannel --message="offhook" --channel_id=2 --client_id=""
:dchannel --message="alerting" --dchannel=3-700973-Sun_Aug__5_22:58:04_2007 
--channel_id= --calling_party_number="" --called_party_number="700973" --redirecting_number=""

:alive
L3X
: dummy call reference detected (not supported)
 DSS1: invalid Call Reference leng
 th detected (maybe QSIG)
:bchannel --message="start" --bchannel=1.a/B1/S0/HFC-4S --client_id=""
:alive

:fax --bchannel="1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.
14" --error="none" --type="send" --bps="14400" --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" -txp=0
 --rxp=0 --ferrari=0 --sernum=0 --csid=" +495246700973" --to="" --fr
om=""

:fax --bchannel="1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.15" --error="n
one" --type="send" --bps="14400" --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" --txp=0 --rxp=0
--ferrari=0 --sernum=0 --csid=" +495246700973" --to="" --from=""

:alive

:fax
--bchannel="1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.20" --error="none" --ty
pe="send" --bps="14400" --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" --txp=0 --rxp=0 --ferrari
=0 --sernum=0 --csid=" +495246700973" --to="" --from=""
alive fax --bchannel="1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.39" --error="none" -
-type="send" --bps="14400" --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" --txp=1 --rxp=0 --ferr
ari=0 --sernum=0 --csid=" +495246700973" --to="" --from=""

:fax --bchannel=
"1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.40" --error="none" --type="send" --bps="14400"
 --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" --txp=1 --rxp=0 --ferrari=0 --sernum=0 --csid=" +495246700973"
 --to="" --from=""

:fax --bchannel="1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.40" --error="none" --type="send"
 --bps="14400" --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" --txp=1 --rxp=0 --ferrari=0 --sernum=0
 --csid="+495246700973" --to="" --from=""

:fax --bchannel="1.a/B1/S0/HFC-4S" --date="2007-08-05-22:58.40" --error="end_of_fax"
 --type="send" --bps="14400" --ecm=1 --res="200" --t4="MMR" --txp=1 --rxp=0 --ferrari=0
 --sernum=0 --csid=" +495246700973" --to="" --from=""

:bchannel --message="finished" --bchannel=1.a/B1/S0/HFC-4S --client_id=""
:dchannel --message="onhook" --dchannel=2-05246700973-Sun_Aug__5_22:58:03_2007
 --client_id="" --charges=0 --cause=100

:alive
 
:exit
Verbindung verloren

Für einen Systemingenieur, der mit den Feinheiten von Telefonanlagen "kämpft" ist eine so detaillierte Ausgabe natürlich sprichwörtlich "Gold wert". Über die SYSLOG-Protokollierung sind ähnlich aussagekräftige Werte zu erhalten.

Konfiguration in Exchange 2007

Nachdem nun das Gateway konfiguriert ist und die Verbindung zum ISDN funktioniert, müssen wir in Exchange natürlich einstellen, dass das Gateway auch angesprochen wird. Dazu wird das Gateway in Exchange konfiguriert:

E2007 Gateway Konfiguration

Das Gateway erscheint dann in der Liste und ihm muss noch eine "Huntgroup" zugewiesen werden, d.h. auf welche Rufnummern das Gateway anspringt.

E2007 Huntgroup

Um dann letztlich in der Konfiguration wie folgt auszusehen:

E2007 UM Konfiguration

All diese Änderungen werden auch im Eventlog protokolliert.

UM Eventlog

Tests und Betrieb

Nun startet der erste Versuch direkt die Durchwahl 693 anzurufen. Da Exchange keine "Weiterleitungsnummer" erhält, wird Exchange den Anrufer begrüßen und nach der Durchwahl fragen. Und es ist schon ein komisches Gefühl, wenn man mit einem echten Telefon (und kein UM einer Computerstimme spricht und nicht mit einem E2K7 UMTestphone etwas simuliert).

Wenn die Telefonanlage auch die "umgeleitete Rufnummer" mit sendet, dann kann die Box diese auch im SIP-Protokoll an den Server weitergeben. Damit ist eine direkte Erreichbarkeit der persönlichen Mailbox möglich.

Sicherheit

Die von mir getestete Box war noch ein Vorserienmodell. Wie ich auf E2K7: UMDebugging schon aufzeige, ist es nicht besonders schwer, eine VoIP-Verbindung abzuhören. Schon daher sollten Sie die VoIP-Kommunikation in ihrem LAN von dem normalen Datenverkehr trennen. Das ist auch hinsichtlich der Paketlaufzeiten (Stichwort Quality of Service) eigentlich selbstverständlich. Dann kann man es auch verschmerzen, dass die komplette Konfiguration und Verbindungssteuerung ebenfalls unverschlüsselt erfolgt und selbst die Anmeldung nicht per SSL versichert ist.

Stellen Sie die Box daher bitte nicht einfach so in das LAN, sondern nutzen Sie einfach einen kleinen Hub, um ihren Exchange UM-Server mit der UM-Box zu verbinden oder ein eigenes VLAN, um es möglichen Angreifern nicht ganz so einfach zu machen. Ehe Sie nun aber groß aufschreien, sollten Sie mal die Printserver in ihrem LAN kontrollieren. Die meisten Firmen haben hier auch noch die "Default Kennworte". Sicherheit ist ein Prozess und nicht nur eine Funktion eines Produkts.

Zusammenfassung

Die OfficeMaster- Box ist aktuell eine geniale Lösung, um Exchange 2007 Unified Messaging schnell einzurichten. Man braucht nur einen ISDN-Anschluss an der eigenen Nebenstelle, ein paar Minuten Zeit und keine Umbauten am Exchange Server (da als externe Box keine Steckkarte einzubauen ist). Und schon kann jeder UM einfach nutzen. Und "nach oben" bietet Ferrari ja auch Lösung mit 8 oder 30 und mehr Leitungen an. Die gedruckte Dokumentation ist auf dem neuesten Stand und berücksichtigt schon Exchange 2007. Wie von einem Hersteller selbst nicht anders zu erwarten ist auch genau erklärt, wie das ganze mit CallerID, Pilottone, Caller und Redirect funktioniert. Da fehlen dann nur noch ein paar Bilder oder Screencaptures zu Exchange 2007 und die Box könnte sogar vom Telefontechniker selbst installiert werden. Im Jahr 2006 hätte ich noch gedacht, dass man wieder mal sehr viel lernen müsste. Schließlich kenne ich schon schon länger die Probleme um "Anlagenanschlüsse" und Faxservern mit Durchwahl etc. Aber mit der OfficeMaster-Box ist UM sprichwörtlich "kinderleicht". Und als Systemhaus kann ich mit einer Box unterm Arm bei einem Kunden, der schon Exchange 2007 hat, in kürzester Zeit Unified Messaging live demonstrieren, ohne erst eine PCI-Karte in einen Server einbauen zu müssen.

Unterstützung durch Net at Work:
Vielleicht kann ich auch Sie bei der Lösung ihrer Abgleichprobleme unterstützen. Fragen Sie doch einfach unverbindlich nach.

Wünsche und Anregungen

Die Box ist schon sehr komplett und einfach einzurichten. Während des Tests habe ich schon Feedback an den Hersteller gegeben so dass ich einige "Wünsche" hier schon streichen musste. (Auch ein Vorteil, wenn ein Hersteller nicht tausend Produkte hat). Übrig geblieben ist aktuell:

Aber Anhand der "Wünsche" sehen sie schon, dass es eher kleine Verbesserungen sind, die ich mir wünsche. Bestechend ist einfach die Funktion der Box, die irgendwo an Ethernet und ISDN angeschlossen und quasi "vergessen" werden kann und keine Treiber oder Umbauten an einem PC oder dessen Betriebssystem erforderlich sind.

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