Lync Sizing

Diese Seite kann sicher kein vollständiges Sizing einer Lync-Umgebung beschreiben, Ich versuche mich in der Darstellung wichtiger Parameter und eine Abschätzung für mittlere und kleinere Unternehmen mit dem Ausblick auf Größeres. Ich bin aber auch auf ihre Mithilfe hier angewiesen. Teilen Sie ihre Erfahrungen und Sizings mit mir zum Wohle aller.

Wie bei OCS ist eine Dimensionierung von Lync von vielen Faktoren abhängig, die nicht einfach mal so schnell abgehandelt werden können. Andererseits hilft es ihnen als Leser ja nicht, wenn wie immer nur ein "Das müssen wir erst analysieren" hören. Schließlich gibt es auch für OCS und Lync "Erfahrungswerte". Natürlich können Sie einen Exchange Server auch nicht nur nach der Anzahl der Benutzer dimensionieren, sondern Werte wie die Postfachgrößen und die pro Zeiteinheit umgeschlagenen Mails sind viel wichtiger. Trotzdem möchte ich nach ein paar Vorbemerkungen ein paar Dimensionierungsvorschläge anstellen. Generell stehen Sie aber unter dem Vorbehalt, dass Anforderungen sich auch sehr schnell wieder ändern können, weil das neue Medium akzeptiert und intensiver genutzt wird, als vorhergesagt. Sie können sich also auch bei bester Planung nie sicher sein, dass die installierten Server wirklich Bestand haben. Das kennen die Exchange Administratoren aber auch aus der Zeit von 1990-2000, als sich das Mailvolumen innerhalb von Monaten verdoppelt hat. Auch hier gilt: Flexibel bleiben und notfalls weitere Server aufzubauen oder virtuelle Server mehr Ressourcen zuzuteilen.

Relevante Faktoren

Was bei Exchange die Postfachanzahl, die Mailboxgröße, die übertragenen Mails/Stunde und die Clientzugriffe per OWA, Outlook (Cached/online), ActiveSync oder Blackberry sind, sind für Lync-Consultants folgende Werte:

Ich hoffe Sie können so etwas verstehen, warum ein Sizing für Lync nicht gerade einfach ist. Die meisten dieser Faktoren betreffen aber die Serverhardware erst bei größeren Benutzerzahlen, z.B. bei 200 Benutzern und mehr.

Randparameter

Für die Dimensionierung der Server muss man sich andere Kriterien anschauen, die auf die Datenmenge und das Volumen abzielen.

Vielleicht erkennen Sie nun, dass die Anzahl der Anwender zwar wichtig aber nicht alleine maßgeblich für ein Sizing sein kann. Konferenzen und das Benutzerverhalten sind sogar wichtiger.

Vorbemerkung zum Sizing

Aber was macht nun jemand, der mit Lync starten will und eigentlich gar nicht weiß, was da auf ihn zukommt? Wir stehen quasi an der gleichen Stelle wie vor vielen Jahren, als mehr und mehr Firmen erste Mailserver installiert haben und sich verwundert die Augen gerieben haben, dass der gerade mühsam installierte Server in ein paar Monaten schon wieder aus allen Nähten platzt. Das ist bei OCS und  Lync oft identisch, da die Umgebung nach einiger Zeit einen solchen Zulauf erfährt, dass jedes frühere Sizing sich pulverisiert. Wenn Sie also noch gar nicht wisse, was auf sie zukommt, dann können Sie einfach nur mal "anfangen" und beobachten, wie sich die Nutzung entwickelt. Nur wenn Sie schon von Vorneherein belastbare Zahlen haben und z.B. mehr als 500 Anwender betreiben wollen, dann lohnt sich der Aufwand, eine Serverstruktur aufwändig zu dimensionieren. Das gleiche gilt, wenn Sie wirklich Lync von Anfang an als "Infrastruktur" einsetzen, die zugleich ihre TK-Anlage in weiten Bereichen ersetzt. Dann muss eine saubere Planung erfolgen, die ich aber hier auf einer Seite nie leisten kann.

Lync-Server mit dem Planning Tool

Ansonsten würde ich zuerst einfach einen Lync Standard Server anfangen und ein passendes modulares Gateway einsetzen, welches den vermuteten Bedarf für die Telefonie abdeckt. Und so eine einfache Umgebung  könnte wie folgt aussehen.

Lync Planung

Microsoft Lync Server 2010 Capacity Calculator
http://www.microsoft.com/downloads/en/details.aspx?FamilyID=6e8342a7-3238-4f37-9f95-7b056525dc1a&displaylang=en

Lync 2010 Bandwidth Calculator
http://www.microsoft.com/en-us/download/details.aspx?id=19011

Lync Server 2010, Stress and Performance Tool
http://www.microsoft.com/downloads/en/details.aspx?FamilyID=94b5f191-6d80-4dec-94c2-fca57995f8b7&displaylang=en

Microsoft Network Assessment for Unified Communications
http://www.microsoft.com/downloads/en/details.aspx?FamilyID=186123aa-966c-44d0-8ad7-6d244886b9d0

Basierend auf dem Lync 2010 Planning Tool (RC) habe ich folgende einfache "nicht hochverfügbare" Umgebung mit Edge und 100% Telefonie aufgestellt:

Für diese Struktur benötigen wir erst mal nur zwei Server, einen Standard Server und den Edge Server. Die TK-Funktion wird direkt über das Gateway eingebunden. Wer natürlich noch Exchange UM und Monitoring einsetzen will, muss diese Server addieren und die DCs setze ich als "sind eh da"-Server voraus. Im Design gehe ich von einer Site aus, in der 100% mit Lync telefonieren. Diese Zahlen gelten für 5000 Benutzer

Server CPU RAM Disk Lan
Frondend 4 Cores 2 GHz 12GB 2x72GB 10k 2x Gigabit
Edge 4 Cores 2 GHz 12GB 2x72GB 10k 2x Gigabit
Exchange UM Keine Aussage 2GB /Core    

Nun würde ich natürlich nicht 5000 Benutzer auf dieser Hardware ohne Hochverfügbarkeit arbeiten lassen. Wenn ich die Zahlen aber auf 500 oder sogar 50 Benutzer herunter schraube, dann ändert der Lync Sizer überhaupt nichts an den Zahlen. Es scheint als wenn diese Hardware die "Mindestausstattung" ist. Natürlich können Sie Lync auch virtuell auf äquivalente VMs bereitstellen. Dennoch hilft und dieses Tool nicht weiter, wenn wir deutlich weniger Benutzer oder erst ein Testsystem installieren wollen.

Lync-Server für KMU

Interessanter ist hier die Seite "Capacity Planning Requirements and Recommendations" auf http://technet.microsoft.com/en-us/library/gg425715.aspx. Sie geht schon etwas genauer auf die Anforderungen ein. Solange die Benutzeranzahl unter 5000 liegt, stellt sich die Frage nach mehreren Server für eine Funktion nur bei Anforderungen an die Verfügbarkeit. Laut Dokumentation kann ein Server mit 4 Cores (2,3 GHz), 16GB Ram und 2x 1 Gbit LANs bis zu 226 gleichzeitige Gespräche abwickeln. Aber was sind praktische Werte ?

Ich habe einfach mal die Server von Net at Work heran gezogen, die virtuell unter Hyper-V arbeiten. Vielleicht melden Sie mir ja ihre Erfahrungen und Sizings. Hier die bislang bekannten Auslastungsdaten

Firma Profil
User/Telefonie/Leitungen
Frontend
Ram/Disk/CPU
Edge
Ram/Disk/CPU
Gateway Ansprechpartner
Bemerkung
Net at Work 40/40/30 CPU: 2x2,6GHz
Ram 16GB
Disk 30GB
CPU: 1x 2GHz
Ram 1GB
Disk 12GB
HyperV
M1000
1xS2M
Frank Carius
Sicher sind die 4 GB für den Standard Server etwas "knapp" bemessen, da er schon 3,5 GB davon nutzt. Aber mit 6 -8 GB sollte ein Lync-Server für bis zu 50 Benutzer durchaus zufrieden sein. Der Edge ist noch deutlich sparsamer
Ihre Firma Ihre Daten Ihre Daten Ihre Daten Ihre Daten Ihre Daten
           
Bitte helfen Sie mit und senden Sie mir ihre aktuelle Konfiguration und Erfahrungen, damit wir diese Liste etwas ausbauen können. Einfach Mail an

Leider bietet Lync "hosted" im Rahmen von Office365 noch keine Telefonfunktion an, weswegen ein "Hosted-Lync" in dem Zuge noch keine Option ist. Mich würde aber nicht wundern, wenn einige Stadtwerke so etwas vielleicht "lokal" bereit stellen. Auf Cityhosting hatte ich sowas für Exchange schon beschrieben und es gibt ja schon "gehostete TK-Strukturen" für normale SIP-Clients (z.B. www.sipgate.de oder Telekom "Deutschland LAN" http://www.telekom.com/dtag/cms/content/dt/de/822948 u.a.). Gerade Sipgate könnte z.B.in Verbindung mit einem Gateway (z.B. Audiocodes 1000) interessant werde, wenn es SIP2SIP umsetzen kann und nebenbei auch als ATA-Adapter agieren kann.

Lync für große Benutzermengen

500 und mehr Benutzer sind für Lync auch kein Problem, wenn das Backend entsprechende Ressourcen bereit halten kann,. aber wenn Sie nun davon ausgehen, dass von 500 Benutzern "nur" 10% gleichzeitig telefonieren. dann sind das schon mindestens 50 "Amtsleitungen" d.h. 2x Primärmultiplex mit entsprechendem Gateway. Selbst mit einem SIP-Trunk werden da schon mehrere Megabit benötigt, da VoIP ja nicht so effizient ist, wie ein ISDN B-Kanal mit 64bit, der dank TDM mit deterministischen Laufzeiten aufwarten kann und über die nominell 2 Megabit eines S2M Anschlusses auch 30 Telefonate übertragen kann. Und da ein Ausfall teuer werden kann, wird man langsam auch so eine Struktur redundant auslegen wobei eine "Doppelung "vielleicht gar nicht mehr reicht.

Auch die Zunahme der Meeting-Anzahl und potentieller gleichzeitiger Teilnehmer erfordert hier eine skalierbare Auslegung. Es bleibt also noch viel zu tun.

Lync virtuell

Mittlerweile ist es auch offiziell "supported", wenn Lync-Rolen auf virtuellen Maschinen installiert werden. Wobei Sie hierbei natürlich weniger an eine Einsparung von Ressourcen sondern eher neue Möglichkeiten der Verwaltung (Snapshot für Patches, Failover, Desaster Recovery etc.) denken als an Einsparung von Hardware.

Zudem sollten Sie genau beachten, dass Lync besondere Anforderungen an die Ressource "Netzwerk" hat. Bandbreite ist in kleinen Umgebungen eher nicht das Problem aber Laufzeit ist kritisch. Besonders wenn andere VMs auf dem gleichen Host z.B. große Datenmengen übertragen (Backup, Dateiserver, Exchange Migration etc.) und damit die gemeinsam genutzte Netzwerkkarte beschäftigt ist, kann das "Hintenanstellen" von Lync-Paketen in die Queues die Latenzzeit derart erhöhen, dass Sie die Anwender beschweren. Daher schreibt Microsoft auf Running in a Virtualized Environment
http://technet.microsoft.com/en-us/library/gg399035.aspx auch:

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