IPV6

Bis IPv6 in den lokalen Netzwerken aktiv Einzug erhält, vergehen nach meiner Einschätzung noch einige Jahre. Das hindert aber Hersteller natürlich nicht daran, IPv6 schon heute in ihre Systeme einzubauen, da die Lebensdauer von Servern aber auch Druckern etc. oft mehrere Jahre beträgt. Ich kann mich noch gut daran erinnern, wie früher viele Druckerserver ausschließlich das damals dominierende Serversystem "NetWare" bedient haben und die ersten Server mit TCPIP und LPR-Unterstützung noch sehr teuer waren. Fakt ist, dass Windows Vista und Windows 2008 IPv6 per Default enthalten und gar nicht deinstalliert werden kann, da IPv4 und IP6 den gleichen Code verwenden und Exchange 2007 mit SP1 auch schon IPv6 unterstützt.

Generell "stört" IPV6 nicht und die weiter unten aufgezeigten Wege IPV6 zu deaktivieren, sind meist nicht erforderlich.
Hinderlich ist es aber, wenn wenn die verschiedenen Clients IPV6 im DNS eintragen aber die Router dazwischen IPV6 nicht vermitteln. Der Fallback dauert etwas Zeit. Dann ist es aber eine Option, einfach IPV4 vorzuziehen, so dass IPV6 weiter verfügbar ist aber IPV4 zuerst genutzt wird.

Achtung:
Die Bedeutung von IPV6 wird zunehmen und ich erwarte, dass in kurzer Zeit alle Firmen intern zusätzlich auch IPV6 betreiben werden. Für viele neue Dienste (z.B.: Windows Direct Fileaccess) ist dies sogar erforderlich.

Issues After Disabling IPv6 on Your NIC on SBS 2008
http://blogs.technet.com/sbs/archive/2008/10/24/issues-after-disabling-ipv6-on-your-nic-on-sbs-2008.aspx

Exchange 2007 auf Windows 2008 DC
Mehrere Hinweise im Internet weisen darauf hin, dass einige Exchange 2007 Dienste auf einem Windows 2008 DC nicht starten, wenn IPV6 deaktiviert ist.
RPC/HTTP hat umgekehrt mit Problemen zu kämpfen, wenn er die IPV6 Adresse erreichen will aber NSPI nicht auf IPV6 lauscht.
Aktuell scheint der beste Kompromiss die Aktivierung von IPV6 und Ändern der Reihenfolge auf "IPV4 first" zu sein.
Siehe auch http://msexchangeteam.com/archive/2008/06/20/449053.aspx

IPv6 Argumente

Da stellt sich die Frage, für wen IPv6 interessant ist und warum ?. Ohne nun die Whitepapers von Bücher und Wikis zu wiederholen, sind ein paar Faktoren einfach zu erläutern:

Das sind bei weitem nicht alle Argumente, aber soll ihnen einen ersten Eindruck geben, ob IPv6 in ihrer Umgebung erforderlich ist. Aber auch wenn Sie eigentlich kein IPv6 verwenden wollen oder ihre Router IPv6 noch nicht unterstützen, dann haben die meisten Firmen unabsichtlich schon IPv6 im Netzwerk, weil es per Default bei Windows 2008 oder Vista aktiv ist

IPv6 im Betriebssystem

Folgende IPv6 Konfigurationen sind bei Windows

Betriebssystem Installation
Windows 95/98NT4 Offiziell nicht verfügbar
Frühere Module auf http://research.microsoft.com/msripv6/
Dritthersteller z.B. www.trumpet.com.au/products.html
Windows 2000 Offiziell nicht verfügbar
Frühere Module auf http://research.microsoft.com/msripv6/
Windows XP RTM Nicht verfügbar
Windows XP SP1 Hinzufügen und Entfernen als Netzwerkprotokoll. Bezeichnung lautet aber "Microsoft IPv6 Developer Edition". Ist aber produktiv nutzbar.
Windows XP (SP2+) Hinzufügen und Entfernen als Netzwerkprotokoll.
Windows XP Embedded SP1 Unterstützt
Windows 2003 Hinzufügen und Entfernen als eigenes Netzwerkprotokoll
Windows Vista Aktiv per Default, kann nicht deinstalliert werden, da IP-Stack sowohl V4 und V6 beinhaltet
Windows 2008 Aktiv per Default, kann nicht deinstalliert werden, da IP-Stack sowohl V4 und V6 beinhaltet

Die Unterstützung in Windows bedeutet nur, dass die Plattform die entsprechenden APIs bereit stellt. Damit ist gesagt, dass die entsprechenden Anwendungen auch nutzen.

IPv6 Basisfunktionen

Was ist nun aber IPv6? Wenn Sie IPv4 kennen, dann ist ihnen die Schreibweise der IP-Adressen xxx.xxx.xxx.xxx geläufig. IPv6 bedeutet nun nicht, dass die IP-Adresse plötzlich aus sechs stellen besteht. 111.222.333.444.555.666 ist keine gültige IPv6-Adresse. Die IPv6-Adressen besteht aus 8 Blöcken a 4 Hexadezimalzahlen:

XXXX:XXXX:XXXX:XXXX:XXXX:XXXX:XXXX:XXXX

Dabei gibt es mehrere Abkürzungen der Schreibeweise, die aber auf www.wikipedia.com/wiki/Ipv6 sehr gut beschrieben sind. Bei IPv4-Adressen kann man anhand der ersten Nummern in den meisten Fällen auf die Subnet-Mask schließen, also die Definition, welcher Anteil das Netzwerk angibt und welcher Teil die Adresse in diesem Netzwerk beschreibt. Abweichungen können über die Subnet-Mask (Supernetting/Subnetting) definiert sind.

Bei IPv6 ist das alles etwas einfacher, da die hinteren 64bit einfach die MAC-Adresse der Ethernet-Karte sind und der vordere Teil das Netzwerk darstellt. Natürlich gibt es auch hier im Hostbereich Unicast, Multicast und Broadcast Adressen und im Netzwerkbereich besondere Netzwerke.

Interessant ist hier auch , dass DNS-Server z.B. immer eine feste Adresse haben können, die zugleich eine Multicast-Adresse ist. Ein Client muss also nicht mehr nacheinander die verschiedenen DNS-Server fragen, die bislang zudem manuell oder per DHCP zu konfigurieren waren, sondern sendet eine Anfrage an das "Netz" und alle DNS-Server im LAN bekommen die Anfrage und antworten.

Auch die 127.0.0.1 hat eine Wandlung erfahren: 

ipv6 Ping auf Localhost

IPv6 und Exchange

Exchange unterstützt erst mit Exchange 2007 SP1 auch IPv6. Alle vorherigen Versionen können IPv6 nicht nutzen, aber stören sich auch nicht daran, solange IPv4 noch parallel aktiv ist. Aber auch Exchange 2007 SP1 benötigt weiterhin IPv4,da nicht alle Funktionen IPv6-tauglich sind.

Version IPv6-Tauglichkeit
Exchange 5.5 Nein
Exchange 2000 Nein, Nutzt kein IPv6
Kann aber parallel zu IPv4 installiert sein
Exchange 2003 Nein, Nutzt kein IPv6
Kann aber parallel zu IPv4 installiert sein
Exchange 2007 Nein, Nutzt kein IPv6
Kann aber parallel zu IPv4 installiert sein
Exchange 2007 SP1 Nutzt IPv6 und IPv4.
IPv4 muss zwingend aktiv sein. IPv6 ist optional. Nicht alle Dienste nutzen IPv6

Auch wenn Exchange 2007 SP1 mit der IPv6-tauglichkeit wirbt, so ist diese nur partiell gegeben. Auf IPv4 kann auf keinen Fall verzichtet werden und selbst im Bereich IPv6 sind nur einige Komponenten nutzbar. So unterstützt die Unified Communication Rolle noch kein IPV6 und selbst der Transport erlaubt über IPv6 noch keine RBL-Listen oder SenderID-Filterung, was aber erst wichtig wird, wenn der Server auch per IPv6 installiert wird.

IPV6 und DNS

Den ein oder anderen Support Case haben wir auch schon bezüglich IPV6 gehabt. Häufig sind es nämlich die DNS-Server, die sich nicht immer kooperativ verhalten. Es ist dabei nicht relevant, ob der DNS-Server selbst schon eine IPV6-Adresse hat oder nicht, sondern eher, wie er z.B. auf Anfragen nach "AAAA"-Adressen reagiert.

Wenn ein Exchange Server z.B. den MX-Record abfragen möchte, dann tut er dies, indem er einen entsprechenden DNS-Query erstellt. Die meisten DNS-Server liefern ihm dann nicht nur den Namen des MX-Records zurück, sondern auch gleich die IPV4-Adresse, so diese bekannt ist. So erspart man dem Client eine zweite Anfrage. Die IPV6-Adresse wird nicht zurück gegeben, damit alte Clients nicht verwirrt werden.

Unterstützt das Betriebssystem selbst IPV6, dann muss es nun noch mal gezielt nach dem Hostnamen und "AAAA" fragen. Ein DNS-Server sollte dann darauf mit einem leeren Eintrag antworten. Es gibt einige DNS-Server, die mit einem "Fehler" antworten, worauf das Betriebssystem dann von einem Fehler ausgeht und die Mails nicht mehr versendet.

Es gibt noch einige andere unschöne Fehlverhalten von DNS-Servern in Verbindung mit IPV6.

IPv6 deaktivieren

Achtung:
Führen Sie die folgenden Schritte nicht ohne Not durch. Normalerweise "stört" IPV6 nicht und sie sollten sich schon mal an die neuen Adressen gewöhnen, da Sie für viele neue Dienste (z.B.: Windows Direct Fileaccess) erforderlich sind.

Auch wenn man IPv6 nicht komplett deinstallieren kann, so stören den ein oder anderen schon die vielen virtuellen Netzwerkkarten beim "ipconfig /all" und die Umleitung von einen Ping auf localhost auf "::1:". Problematisch kann dies sein, wen ein IPv6-tauglicher Dienst (wie z.. RPC Proxy) über localhost auf einen nicht IPV6-Dienst zugreifen will. Wenn Sie also auch auf Windows 2008 und Vista alle IPV6 Funktionen deaktivieren wollen, dann können Sie folgende Einträge in der Registrierung machen

Windows Registry Editor Version 5.00

[HKEY_LOCAL_MACHINE\SYSTEM\CurrentControlSet\Services\Tcpip6\Parameters]
"DisabledComponents"=dword:0xffffffff

Regdatei zum Import
ipv6disable.reg
Firmen werden die Einstellungen sicher über eine Gruppenrichtlinie durchführen wollen.

Die Einstellung kann folgende Werte annehmen:

Wert Loopback Tunnel Native Reihenfolge
0x0 (default) enabled enabled enabled IPv6 vor IPv4
0xffffffff enabled disabled disabled IPv4 vor IPv6
0x20 enabled enabled enabled IPv4 vor IPv6
0x10 enabled enabled disabled IPv6 vor IPv4
0x01 enabled disabled enabled IPv6 vor IPv4
0x11 enabled disabled disabled IPv6 vor IPv4

Die Änderungen werden erst nach einem Neustart aktiv. Anscheinend kann das "Loopback"-Interface selbst nicht deaktiviert werden. Allerdings hilft die Reihenfolge dabei, dass man IPv4 vorziehen kann.

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